Am 25. August 2006 feierten wir ein großes Kinderfest zum Abschied der Bibby Altona. Der Film dokumentiert die Arbeit der ersten zehn Jahre und gibt einen kleinen Einblick in das Leben auf den Schiffen. Wir haben ihn wieder entdeckt als wir hörten, dass in Hamburg wieder über neue “Wohnschiffe” für Geflüchtete nachgedacht wird.

Unterstützer_innen

Unsere Arbeit wird derzeit ermöglicht von
  • vielen Spender_innen und Freund_innen
  • der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration Hamburg
  • der BürgerStiftung Hamburg
  • der Jürgen Senpiel Stiftung
  • der preuschhofstiftung
  • der Stiftung :do
  • terre des hommes Eine Liste all unserer Partner_innen seit Beginn unserer Arbeit findet sich hier.
    Vielen Dank!
  • Jahresbericht 2012

    Ausgangssituation

    Seit über 20 Jahren arbeitet das Wohnschiffprojekt Altona in Hamburg mit Flüchtlingskindern und -jugendlichen. Was 1992 als Inlandsprojekt von terre des hommes bei den sogenannten „Flüchtlingsschiffen“ (Bibby Altona) in Hamburg-Altona begann, wurde bereits vier Jahre nach Projektbeginn in einen eigenständigen gemeinnützigen Verein – den Wohnschiffprojekt Altona e.V. – übergeleitet. Dieser ist bis heute stets Projektpartner von terre des hommes geblieben und hier unter anderem im terre des hommes-Projekt Kinderrechte aktiv.

    Die Arbeit des Wohnschiffprojekt wurde von Beginn an beständig weiter entwickelt und an die realen Bedürfnisse der Flüchtlingskinder und -jugendlichen angepasst. Nachdem am 30. September 2006 die Bibby Altona abgeschafft und die Zentrale Erstaufnahme für Hamburg in diesem Zusammenhang in das Lager Horst in Mecklenburg-Vorpommern verlegt wurde machte das Projekt seine letzte große Umstellung. Heute arbeitet das Wohnschiffprojekt Altona in den über die Hansestadt verteilten lagerähnlichen Folgeunterkünften und bietet zudem Kurse an einem gut erreichbaren Ort in Altona an zu denen die Teilnehmenden einzeln anreisen.

    Bei der an Bedarf und Ressourcen orientierten Umstellung der Angebote hin zu einem Konzept ohne zentralen Ort war die Aktion Mensch eine große Hilfe. Nach Ende des entsprechenden Förderzeitraumes konnte das Wohnschiffprojekt die damit einhergehenden Probleme durch unbezahlte Arbeit kompensieren bis sich die Lage im Laufe des Jahres 2010 wieder stabilisierte. Wesentlich war hierbei die Zusammenarbeit mit der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz – Eine Zusammenarbeit, die bis heute (nun mit der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration – BASFI) fortbesteht. Zusätzlich konnten in den vergangenen Jahren viele nicht-staatliche Kooperationspartner_innen gefunden werden. Das Hamburger SpendenParlament, die BürgerStiftung Hamburg, die Preuschhof-Stiftung und viele andere unterstützen unsere Arbeit.

    Derzeit können wir so Kurse in den lagerähnlichen Unterkünften im Billstieg, in Curslacker Neuer Deich und in Alsterberg anbieten. Zudem bieten wir überregionale Kurse in Altona und das Schlittschuhlaufen in Planten und Blomen an. Im Jahr 2012 konnten wir zudem zwei mehrtägige Ausflüge, einen Fotokurs und mehrere Exkursionen und gemeinsame Feste durchführen.

    Beschreibung der Zielgruppen und deren Problemlagen

    Das Angebot des Wohnschiffprojekt Altona richtet sich an Flüchtlingskinder, -jugendliche und ihre Familien. Ihre Situation ist durch ihre Fluchtgeschichte und ihren meist unsicheren Aufenthaltsstatus geprägt.

    Sie leben in der Regel in von fördern & wohnen betriebenen Unterkünften, die Merkmale eines Lagers aufweisen. Neben der rechtlichen Abhängigkeit von der Unterkunftsleitung (durch das Fehlen eines eigenen Mietvertrags für die Familie) wird durch die ähnliche Lebenssituation individuelle Unterschiedlichkeit nivelliert. Alle werden „gleich gemacht“. Das Leben der Kinder und Jugendlichen ist geprägt von der Enge des Raumes, teilweise werden zudem Küchen und Sanitäranlagen von verschiedenen Flüchtlingen geteilt.

    Dabei sind die meisten der Jugendlichen in der Schule integriert, leben jedoch mit ihren Familien in dem abgegrenzten, stigmatisierenden Lebensumfeld der Unterkunft – was auch von außen leicht zu erkennen ist.

    Die Zahl der durch das Wohnschiffprojekt Altona betreuten Kinder und Jugendlichen

    Im Berichtszeitraum nahmen im Wochenschnitt bis zu 200 Kinder und Jugendliche an den angebotenen Kursen teil.

    In 2012 erweiterten wir unser Angebot nur leicht und setzten unseren Schwerpunkt auf die Stabilisierung des vorhandenen Angebots und die Planung neuer Angebote, die im Sommer diesen Jahres starten sollen. Die Zahl der von unseren Angeboten erreichten Kinder und Jugendlichen ist so verglichen mit dem Vorjahr nur leicht gestiegen.

    Dabei ist zu beachten, dass trotz hoher Kontinuität über das Jahr verteilt mehr Kinder und Jugendliche an unseren Angeboten teilnahmen.

    Projektverlauf

    Das Wohnschiffprojekt orientiert sich in seiner Arbeit stets am Bedarf der betreuten Kinder und Jugendlichen. So waren wir auch im Jahr 2012 in der Lage auf diese einzugehen. Die geringe Größe des Vereins ist hierbei als Stärke zu sehen – wir konnten unsere flexible Arbeitsweise erhalten und das Engagement der Mitarbeiter_innen ist nach wie vor sehr hoch. Im vergangenen Jahr führten wir so zehn wöchentliche Angebote für Flüchtlingskinder und -jugendliche durch.

    Das Jahr 2012 stand für uns unter der Vorgabe das im Vorjahr erreichte zu erhalten, zu optimieren und daraus zu lernen. Der Bedarf an Angeboten wie unseren ist ungebrochen sehr hoch und wir können nur versuchen möglichst viel zu machen. Um nicht unkoordiniert zu wachsen, haben wir das Jahr 2012 genutzt um ein breites Angebot für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien im Billstieg zu entwickeln. Dieses wollen wir möglichst noch im zweiten Quartal 2013 starten.

    Die Computerkurse konnten sich an ihren neuen Orten etablieren. Dabei war insbesondere bei den Kinder-Kursen die Nachfrage so groß, dass wir im Laufe des Jahres (dank eingeworbender Computerspenden) die Computerräume bedarfsgerecht aufstocken und maßvoll modernisieren konnten. Bedingt durch den Platz und die begrenzte Zahl der sinnvoll zu betreuenden Geräte werden wir in Zukunft das Augenmerk hauptsächlich auf eine weitere Modernisierung des Bestands legen. Die Jugendkurse waren im vergangenen Jahr stets gut besucht, die Kinderkurse bisweilen sogar so gut, dass zu wenig Computer-Plätze zur Verfügung standen. Durch gemeinsame Nutzung eines Platzes und auch durch Abwechseln sorgten wir dafür, dass dennoch alle Kinder teilnehmen konnten.

    Das Sport- und Freizeitangebot für Kinder ist in Curslacker Neuer Deich zu einer festen Größe geworden und stützt die Kinder in ihrem Wochenende. Die Unterkunft ist weit ab vom Stadtleben, mit allen Problemen die das mit sich bringt. Im Winter hat sich gezeigt, dass es für die kleineren Kinder aus Curslack zu weit ist, um an unserem gemeinsamen Schlittschuhangebot in der Stadt teilzunehmen. Um sie nicht alleine zu lassen, haben wir in den Wintermonaten zusätzlich vor Ort in einem geeigneten Gruppenraum Spielestunden organisiert.

    Das Eislaufangebot im Winter wird nach wie vor begeistert aufgenommen. Bei jedem Wetter – wenn die Eisbahn offen ist sind unsere Mitarbeiter_innen vor Ort für die zahlreichen Kinder und Jugendlichen da.

    Der Zuspruch zum Mädchen- und Frauenschwimmen ist ungebrochen groß. Bisweilen müssen wir auf Werbung verzichten um die Gruppengröße auf vertretbarem Niveau zu halten. Bei der Entwicklung des Schwimm-Angebots für Mädchen fiel auf, dass es in Hamburger Schwimmbädern fast keine Frauentage gibt. Dies verhindert, neben anderen Problemen, für viele Mädchen und Frauen den Kontakt zum Wasser, nämlich dann wenn sie zum Schwimmen in dem kleinen Zeitfenster „Frauentag“ keinen weiten Weg in Angriff nehmen können.

    Der Deutsch- und Alphabetisierungskurs im Billstieg stieß im Berichtszeitraum an seine Grenzen. Wir hatten einfach zu wenig Stunden eingeplant um ihn sinnvoll durchführen zu können. Das Problem wurde durch unbezahlte Arbeit teilweise kompensiert, sodass insbesondere für die jungen Frauen mit Kleinkindern in dieser Unterkunft ein erster Einstieg in Alphabetisierung und Deutschkurs ermöglicht wurde. In Kürze soll der Kurs mehrtägig, mit neuem Konzept und mit ausreichender Stunden­zahl neu starten.

    Auch das Weihnachtsfest und die vielen Exkursionen in Hamburg fanden sehr guten Zuspruch. Da das Projekt gewachsen ist war das vergangene Weihnachtsfest das größte seit dem Bruch durch die Verlegung der Erstaufnahme nach Horst in Mecklenburg-Vorpommern.

    Der Jugendförderkurs in Altona lief sehr gut an. Hier geht es darum Flüchtlingsjugendliche in der Schule zu helfen – in der Regel im Hinblick auf einen anstehenden Schulabschluss.

    Der Sprach- und Orientierungskurs für junge Erwachsene wurde im vergangenen Jahr weiter entwickelt und steht nun unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“.

    Zudem konnten wir wieder einen kurzfristig angesetzten und zeitlich begrenzten Fotokurs anbieten. Wir begleiteten drei Kinder durch die letzten Tage vor ihrer sogenannten „Freiwilligen Ausreise“ und gestalteten so für die betroffenen Kinder das Abschied-Nehmen mit. Das Ergebnis des Fotokurses wurde im Herbst veröffentlicht.

    Nachdem der Andrang unserer Jugendlichen zu dem mehrtägigen Jahres-Ausflug für einen Ausflug zu groß wurde, haben wir 2012 erstmals zwei große Wochenendausflüge mit Übernachtungen organisiert. Im laufenden Jahr 2013 soll dieses Angebot nochmals erweitert werden: zwei fünftägige Freizeiten an der Nordsee sind fest eingeplant.

    Bei unseren Angeboten fördern wir jede Zielgruppe nach ihrem Bedarf. Wir achten stets darauf, in der bestehenden unsicheren Lebenssituation zu unterstützen und dabei so weit wie möglich auf die jeweils individuellen Bedürfnisse einzugehen. Zudem achten wir darauf, dass Kinder und Jugendliche aller in Frage kommenden Flüchtlings-Communities an unseren Kursen teilnehmen können.

    Dies unterstützen wir praktisch und sprechen so z.B. Familien verschiedener Communities gezielt an und laden die Kinder und Jugendlichen ein an unseren Angeboten teilzunehmen. So sind diese nicht nur theoretisch offen für alle – das Gemeinsame wird auch in der Praxis gelebt.

    Durch die positiven Erlebnisse im Rahmen unserer Kurse werden Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, auch über den Kurs hinaus, gestärkt. So sollen die Kurse insgesamt stabilisierend wirken – sei es durch Erfolgserlebnisse durch Lernen im Computerkurs oder im gemeinsam erlebten Sport. Alle unsere Kurse haben die Schaffung positiver Erlebnisse als festes Ziel und es funktioniert. Bei einem Weihnachtskonzert das das Erste Improvisierende Streichorchester zu Gunsten des Wohnschiffprojekts gab erzählte eine Jugendliche: „Als ich nach Hamburg kam fand ich alles Scheiße und nichts hat mir Spaß gemacht. Dann bin ich zum Sportkurs gekommen und langsam wurde alles besser. Das war das erste Mal, dass ich mich Willkommen gefühlt habe.“ Uns hat das sehr motiviert unsere Arbeit fortzuführen.

    Die Lebenssituation in den lagerähnlichen Unterkünften und das beständige Gefühl der Unsicherheit was die Zukunft angeht erschwert die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Hier unterstützen wir gezielt und versuchen stabilisierend zu wirken. Wichtig ist uns dabei auch einen Ort zu bieten, an dem Spannungen abgebaut und Ängste ausgedrückt und angegangen werden können. Ein erster Schritt diese zu verarbeiten und, wenn möglich, zurückzulassen.

    So können viele Jugendliche erstmals gelöster in die Zukunft blicken und trauen sich wieder zu Pläne zu schmieden und eigene Ziele zu formulieren. Im folgenden Jahr wollen wir mit einem neuen Angebot bei eben diesen Zielen ansetzen und konkrete Hilfestellung bieten diese auch umzusetzen.

    Durch die Angebote die wir bewusst außerhalb der Unterkünfte durchführen bringen wir die Umgebung den Jugendlichen altersgemäß nahe. Diese Angebote helfen Hamburg als zuhause zu begreifen und versetzen die Jugendlichen so in die Lage sich besser in ihr soziales Umfeld zu integrieren.

    Bei allen Angeboten haben wir stets im Blick auch die Eltern angemessen einzubinden. Der regelmäßige Kontakt zu den Eltern ist dabei ein wesentlicher Faktor für das Gelingen der Kurse. Er schafft eine Vertrauensbasis, die es allen Kindern ermöglicht unsere Angebote wahrzunehmen.